2017 | Realisierungswettbewerb
Bauteil C | geförderter Wohnungsbau

 

Aufgabe:
Nach Aufgabe der Nutzung als Lagergebäude sollen auf dem Gelände des 400m langen Schuppens aus den 1950er Jahren in neuer Nutzungsdichte 75% Wohnungen und 25% Flächen für gewerbliche Nutzungen geschaffen werden.

Konzept:
Ein markantes Merkmal der alten Hafenreviere sind die langen Schuppen und Speicher. Die zahlreichen Neubauten erreichen diese Dimensionen nicht, sie können kaum an Maßstab alter Hafenarchitektur anknüpfen.
Mit dem sozialen Wohnungsbau Schuppen 3 ergibt sich die Möglichkeit, zwei lange Häuser zu bauen. So kann man Dimensionen vom alten Schuppen 3 wieder aufnehmen und gleichzeitig einen starken Rücken bilden, um den Lärmschutz für die acht Wohngebäude am Wasser zu verbessern. Beide Gebäude bilden ein Ensemble.
Die weit sichtbaren Aussengiebel erhalten durch ein 5. Obergeschoss und die schräg angeschnittenen Wände im Erdgeschoss eine besondere stadträumliche Akzentuierung.
Ein öffentlicher Platz verbindet beide Hausteile, die beidseitigen Arkaden vor den Gewerbeflächen verlängern die Marcuskaje und bilden ein Tor zum Wasser.

Architektur
Zur Straßenseite im Norden sind wegen der Lärmemissionen Aufenthaltsräume nicht erwünscht. Unser Ziel ist es, diese deutliche Einschränkung positiv zu nutzen, um den Nordfassaden einen eigenständigen Ausdruck zu geben.
Die querliegenden Treppenhäuser der 5-Spänner, die weitgehend geschlossenen Außenwände aus Backstein, und außenbündige Prallscheiben als Lärmbarriere vor den Akustikfenstern aus Holz zeigen dies deutlich.
Ohne die übliche Kleinteiligkeit von Wohngebäuden entlang der Straße entstehen so Assoziationen an die alten „Gigaliner“ der Hafennutzung.
Die langen Südseiten öffnen sich durch Halbloggien und stärker verglaste Flächen deutlich zum Hafenbecken. Der klar gegliederte Rhythmus von offenen und geschlossenen Fassadenteilen erzeugt über die großen Gebäudelängen eine ruhige Melodie. In der Ruhe liegt die Kraft.

Erschließung Gebäude
Pro Gebäude erschließen vier Eingänge die Häuser, Passagen verbinden die Straßen- mit der Gartenseite.
Hier werden für die Bewohner Briefkästen, Abstellräume, Fahrradabstellflächen und Müll- und Wertstoffräume angeboten, eine eigene Treppe führt in die Tiefgarage. Nachts können alle Durchgänge geschlossen werden.
Gewerbeflächen in Hausmitte sind eher Büroflächen mit Publikumsverkehr, die exponierten Lagen der 4 Giebel eignen sich (Vorplatz und Fenster zu drei Seiten) besonders für Cafés, Läden, Nahversorgung, Galerie etc.
Von jedem Treppenhaus (5-Spänner) und den großen lichten Treppendielen werden 20-24 Wohneinheiten erschlossen. Alle 8 Treppen führen auf die Dachterrassen (je 800m² Spiel- und Freizeitflächen).

Erschließung Tiefgarage
Die lange Tiefgarage sollte laut Auslobung mit einer Doppelrampe über den Westgiebel erschlossen werden. Diese einseitige Erschließung ist möglich, wir halten eine geteilte Zu- und Abfahrt für die bessere Lösung. So wird der Ein- und Ausfahrtsverkehr halbiert, der Westgiebel bleibt von der großen Doppelrampe ungestört und kann sein Schaufenster der Gewerbefläche in voller Breite entwickeln. In der 255m langen Garage beruhigt sich der Verkehr über die Einbahnstraßenregelung.

Freianlagen im Erdgeschoss
Vor den Gewerbeflächen werden kleine Platzräume mit Aufenthaltsqualität vorgeschlagen. Zum Norden werden die Hauseingänge durch Vordächer betont, zum Süden werden an den Hauseingängen auch Fahrradbügel angeboten. Sitzmauern vor Hochbeeten mit Dünengras laden auf der Sonnenseite zum Verweilen ein.
Schlanke Säulenbuchen rhythmisieren die große Länge der Gebäude, Platanen akzentuieren die Platzräume.

Dachterrassen als Gemeinschaftsflächen
Das Grundstück ist zu schmal, um ebenerdig Freianlagen mit Aufenthaltsqualität und Kinderspielflächen zu entwickeln. Daher wird ein Dachgarten vorgeschlagen. Alle 8 Treppenhäuser führen auf große Decks mit Möglichkeiten für Freizeit, Kinderspiel, Aufenthalt, Kontakte und kleine Feiern. Ein Ring aus Schilfgräsern verbirgt das notwendige Absturzgeländer und schafft Dachgartenatmosphäre. Holzdecks zum Aufenthalt erhalten gläsernen Wind- und Witterungsschutz, Spielbereiche und Spielgeräte liegen geschützt in farbigen Perlkiesflächen (Unfallschutz).

 

Auslober:
Asset Firmengruppe
Überseestadt Schuppen 3 Grundbesitz GmbH
Hollerallee 77
28209 Bremen

Standort:
Konsul-Smidt-Straße
28217 Bremen

Wettbewerb:
Vorsitz des Preisgerichts
Prof. Zvonko Turkali, Frankfurt/Hannover
6 teilnehmende Büros
2. Rundgang