2012 | Realisierungswettbewerb
Umbau der Waldbühne (Waldschlösschen) im Bürgerpark

 

Aufgabe:
Unter Würdigung des Denkmalschutzes soll eine Verbesserung der gastronomischen Nutzung des 1890 entstandenen Ausstellungspavillons entstehen

Konzept:
Der neue Baukörper wird nicht hinten zum Wald, sondern an der Stelle des Toilettenanbaus seitlich angebaut. Es gelingt zum Norden 2 der 3 Fensterachsen wieder zu öffnen. Die 3. Fensterachse bildet den gläsernen Durchgang zwischen Gastraum und neuem Clubraum. So zeigt sich das Waldschlösschen trotz des seitlichen Anbaus zum Hauptweg des Bürgerparks mit seinem freigestellten Baukörper in seiner ganzen Symmetrie. Waldschlösschen und Anbau bilden im Südosten zum Wald einen geschützten Freiraum, der als große Terrasse auf das Hochparterreniveau angehoben wird. Die beiden stattlichen Bäume, die heute noch am Waldrand stehen, werden hier als Solitäre in die neue Terrasse eingebunden. Ein Weg führt von der Parkallee geschwungen durch den Wald barrierefrei auf die Terrasse oder auch in den Biergarten. Im Osten Richtung Parkallee wird der Fachwerkanbau von seinem späteren Obergeschoss befreit und erhält ein neues Walmdach mit Zinkblecheindeckung. Der Anbau hat für die Dimension des Gastraumes im Waldschlösschen eine wichtige Funktion, eine neue Bedeutung aber kommt diesem historischen Gastraum durch die Orientierung auf die neue Südterrasse zu. Speiseraum und Terrasse werden direkt aus der neuen Küche heraus bedient, während der Biergarten als SB-Bereich aus dem neuen Pavillon versorgt wird. Die Terrasse ist mit den Sitzstufen zum Biergarten auf die Bühne ausgerichtet. Eine Pergola fasst die Terrasse zum Wald und bindet die neue Bühne baulich an das Ensemble des Waldschlösschens an.

Organisation des Neubaus
Der Neubau stellt den Altbau frei. Der Baukörper ist mit 8m Breite schmal und langgestreckt.  Der Clubraum ist ideal an den Gastraum angebunden, die Orientierung auf den Hauptweg des Bürgerparks macht das neue Angebot sichtbar und entfernt den Raum vom Lärm der Bühne und des Biergartens. Ein Oberlicht im Clubraum öffnet dem Gast die Blickbeziehung zu den Türmchen des Waldschlösschens, die auch in der Nacht beleuchtet werden können. Die neuen Küchenräume können den Clubraum direkt andienen und haben einen direkten Zugang zum Gastraum und zur neuen Terrasse. Die Belieferung geschieht von hinten, der kleine Betriebshof ist vom Parkplatz auf kurzem Wege erreichbar. Unter der Laderampe ist die Außentreppe in den Keller versteckt. Die neue Treppe ins Untergeschoss liegt strategisch günstig am neuen Terrasseneingang in der Bauwerksfuge zwischen Altbau und Anbau. Hier können die Gäste einfach die Toiletten erreichen, und die Küche hat einen kurzen Weg zu den Sozialräumen und den Lagerflächen. Der alte Keller kann mit angebunden werden, kann sich aber auch als Lagerfläche dem Biergarten über eine kleine Außentreppe zuwenden.

Biergarten und Spielplatz
Durch den Anbau entfallen einige Außenplätze. Die neue Terrasse mit 100 zusätzlichen Plätzen kann diese Einschränkung leicht kompensieren. Die wassergebundene Fläche des Biergartens wird zusätzlich über den heutigen Waldrand um etwa 5m in den Wald hineingeschoben. Für den Selbstbedienungs-Bereich wird am Waldrand ein Holzhaus geplant. Der neue Spielplatz wird als Waldspielplatz neben der neuen Terrasse vorgeschlagen.Eltern haben ihre Kinder von dem erhöhen Terrassenniveau gut im Blick.

Material und Gestalt
Der Keller wird mit Beton-Filigranwänden hergestellt. Der sichtbare „schwebende“ Baukörper darüber soll komplett in Holztafelbauweise hergestellt werden. Das Material Holz ist nachhaltig, es schafft Nähe zum historischen Baukörper.  Die Präfabrikation lässt eine kurze Bauzeit und günstige Baukosten erwarten. Gut wärmegedämmt können Clubraum und Küche schnell aufgeheizt werden, wenn sie gebraucht werden. Als Außenbekleidung wählen wir Kupferbahnen in unregelmäßigen Breiten. Das Material ist langlebig und in dem feuchten Waldgebiet dauerhaft pflegearm. Kupferblech hat eine natürliche fast handgemachte Oberfläche und kann schön patinieren. Der dunkelbraune Farbton ist wenig dominant, nimmt sich gegenüber dem Waldschlösschen angenehm zurück, wirkt aber dennoch eigenständig und wertig. Die Gartenmauern werden ebenfalls als Fligranwände in Fertigbeton vorgeschlagen.
Im Terrassenbereich sind die Mauern auf Brüstungshöhe und tragen eine leichte Pergola aus Stahlrohren, im Bühnenbereich wächst die Mauerhöhe als Schallmauer, bildet einen Winkel und trägt das Bühnendach. Die Terrasse soll mit erdfarbenen Pflasterklinkern belegt werden, die wie die Fassade eine schöne Patina erhalten.

 

Ausloberin:
Bürgerparkverein Bremen
Schweizerhaus / Bürgerpark
28209 Bremen

Standort:
nördlicher Bürgerpark, Bremen

Wettbewerb:
Vorsitz der Jury
Architekt Martin Pampus, Bremen

6 teilnehmende Büros
2. Rundgang