2011 | Realisierungswettbewerb
Neubau eines Wohngebäudes mit Sondernutzungen im Erdgeschoß

 

Aufgabe:
In dem neu entwickelten Stadtquartier auf den Flächen des ehemaligen Wasserwerks ist ein viergeschossiges Wohngebäude in Zeilenbauweise zu planen. Das Gebäude soll als vielfältiges Mehrgenerationenhaus einen sozialen Mittelpunkt des Stadtwerdergebietes darstellen.

Entwurf:
Das Gebäude ist ein Schluss-Stein der Stadtwerder-Bebauung am Rande des Landschaftsgebietes. An der ringförmigen Anliegerstraße öffnet sich ein geschützter Eingangshof, flankiert von Begegnungsraum, Kindergarten und Wohngruppe für alte Menschen. Auch die Bewohner der insgesamt 39 Wohnungen haben hier ihre Adresse. Der Eingangshof wird zu einem Treffpunkt für alle. Ein Amberbaum als Solitär und ein Wasserbecken mit kleinem Sprudel geben dem Vorhof seinen Charakter.
In den oberen Etagen erfolgt die Erschließung über Laubengänge, die an einigen Stellen durch Aufweitungen, einen Luftraum, zurückversetzte Eingangstüren und eine zweite freie Treppe Kommunikationsmöglichkeiten für die Bewohner eröffnen.Das Haus hat insgesamt 39 Wohnungen mit 2 oder 2,5 Zimmern. Alle bis auf die drei Mittelwohnungen im Norden sind der Sonne zugewandt.
Die Wohnungen sind altengerecht und können als betreute Wohneinheiten genutzt werden, können gleichermaßen aber auch jüngere Menschen ansprechen oder als Zweitwohnung für Geschäftsleute interessant sein.
Die Eingangsbereiche sind zurückgesetzt und schaffen private Vorzonen. Die Eckfenster der Küchen schaffen Sichtverbindungen zum Laubengang und ermöglichen die spontane und direkte Kommunikation mit den Nachbarn.

Auch die barrierefreien Bäder sind zum Laubengang belichtet und belüftet. Wohn- und Schlafraum orientieren sich über großzügige Glasflächen und eine Loggia zur Sonne. Der Schlafraum ist so konzipiert, dass ein 3 m Kleiderschrank und ein Doppelbett Platz finden. Das Volumen der Wohnung wird erheblich vergrößert, wenn die große Schiebetür zwischen Wohn- und Schlafraum geöffnet wird und sich so der Blick über die gesamte Breite nach außen öffnet.
Sieben Wohnungen haben ein zusätzliches kleines Zimmer von etwa 10 m². Diese Räume sind als Gästezimmer oder zweites Schlafzimmer nutzbar, aber auch als Erweiterung des Wohnangebotes wie z.B. Büro, Bibliothek, Musikzimmer, Atelier…

Material und Farbe:
Das neue Stadtwerder-Quartier besteht vorwiegend aus hellen Verblendfassaden in grauen und gelben Tönen, der neue Baukörper schließt sich da nahtlos an. Die horizontalen Strukturen des nördlichen Nachbargebäudes werden durch die verklinkerten Brüstungen der Laubengänge aufgenommen und weitergeführt. Die zweite Ebene der Außenwände hinter den Loggien und Laubengängen besteht aus weißen geputzten Wänden, Holzfenstern, Holztüren und Holzflächen, die kaum der Witterung ausgesetzt sind.

Gebäude-Ökologie:
Die Lage des Grundstücks hat eine Betonung auf der Süd-Ost-Orientierung in Richtung Wasserspeicher und Süd-West-Ausrichtung zu den Stadthäusern, daher werden 36 der 39 Wohnungen dorthin ausgerichtet. Die Nord-West Ausrichtung zur Straße ist weniger attraktiv, daher werden dort die Laubengänge angeordnet.
Mit der Orientierung der Wohnungen öffnen sich die Hauptfassaden mit ausgewogen großen Öffnungen nach Süd-Osten und Süd-Westen. Die Verschattung im Sommer wird zum Teil durch die Loggien sichergestellt,  weitere Fenster sind mit einem außenliegenden Sonnenschutz versehen.
Der Baukörper ist sehr kompakt gestaltet und minimiert so das energetisch wirksame Verhältnis von Oberfläche zu Volumen.
Mit der Wahl eines Mauerziegels als Fassadenmaterial schützt eine dauerhafte und wartungsarme Außenhaut das Gebäude. Holz als nachwachsender Rohstoff wird neben dem Mauerziegel als zweites Leitmaterial eingesetzt. Vor allem im Schutze der Laubengänge und der Loggien spielt das Material für Balkontüren, Haustüren, Fenster und Fassadenbekleidungen eine vorrangige Rolle. Gesunde natürliche Materialien wie Putz, Holzboden und Fliesen dominieren in den Wohnungen.
Die Flexibilität der Wohnungsgrundrisse ist bei den kleinen 2-Zimmer-Wohnungen eingeschränkt. In diesen versuchen wir daher die Flexibilität durch wahlweise offene/geschlossene Küchen und durch die große Schiebetür zwischen Wohnen und Schlafen herzustellen. Eine weitere Flexibilität liegt darin, drei kleine Wohnungen zu zwei größeren Wohneinheiten zusammenzuspannen, wenn der Markt es erfordert. In den 2,5-Zimmer Wohnungen schafft das kleine Schaltzimmer flexible Nutzungsmöglichkeiten.
Barrierefreiheit ist durch Rampen im Außenbereich, die Erschließung mit einem großen Aufzug und breiten Laubengängen für alle Wohnungen gegeben, auch die Wohnungen sind barrierefrei ausgestattet und daher ideal für ältere Menschen geeignet.
Außenräume werden mit hoher Aufenthaltsqualität, geringer Flächenversiegelung und hohem Fahrradkomfort angeboten.
Ob das Gebäude als KfW Effizienzhaus 40 oder noch hochwertiger ausgeführt werden soll oder kann, lässt sich erst im Zuge einer vertiefenden Planung klären.

 

Auslober:
PGS – Projektentwicklungsgesellschaft Stadtwerder mbH
c/o Gewoba
Rembertiring 27
28195 Bremen

Standort:
Baufeld B4, Tanzwerder
28199 Bremen

Wettbewerb:
Vorsitz des Preisgerichts
Prof. Carsten Lorenzen, Kopenhagen/Berlin

10 teilnehmende Büros
2. Rundgang